Vom Auftanz bis zum Zwiefachen

Der Volkstanz in Bayern war früher mit dem Brauchtum (z. B. Schwertertanz) sowie mit Berufs- und Ständegruppen (z. B. Schäfflertanz, Webertanz) verbunden. Einflüsse auf den Abwechslungsreichtum übten u. a. das Militär (z. B. Marschierpolka), Fremdarbeiter (z. B. Italiener), Erntehelfer aus dem Osten (z. B. Mazurka), fahrende Händler, deutschsprachige Ansiedlungen in anderen Ländern wie Böhmen oder Galizien, Schiffsleute (z. B. Rheinländer, Galizische Kreuzpolka) sowie die höfische Gesellschaft (z. B. Francaise, Tampet) aus. Mit dem Einzug der Modetänze – besonders nach den beiden Weltkriegen – verlor der bodenständige Volkstanz zunehmend an Bedeutung. Besonnene Leute jedoch nahmen sich der Pflege und Förderung der Volkstänze an.

Zu ihnen zählen vor allem Erna Schützenberger, die bereits um 1930 als eine der Ersten die bodenständigen Tänze aufzeichnete und zusammen mit Prof. Hermann Derschmidt die fünfbändige Reihe „Spinnradl – Unser Tanzbuch“ mit überlieferten Tänzen veröffentlichte. Neben den Rundtanzformen wie Landler, Polka oder Dreher förderten sie besonders die überlieferten Figurentänze, die sich durch einfache Formen und Melodien auszeichnen. Rund- und Figurentänze sprechen alle Altersgruppen und Berufsschichten an und sind durch den Begriff „Volkstanz“ bestens umschrieben. Die Pflege der Volkstänze erfolgte zunächst durch die Volkstanzkreise, bei denen es sich um Gleichgesinnte handelte, die Freude am Volkstanz gefunden hatten. Die Trachtenvereine dagegen nutzten zunächst Plattler und Trachtentänze als Mittel der Selbstdarstellung.

Da die meisten unserer Trachtenvereine, als sog. Gebirgstrachten-erhaltungsvereine gegründet worden sind, wurde auch kein größerer Wert auf "heimische" Tänze gelegt. Erst mit der Umstellung auf die Heimat- oder Volkstracht, Mitte des letzten Jahrhunderts, hat man sich den bodenständigen Tänzen gewidmet.

Seit den 1970er Jahren konnten Vortänzer und Tanzmeister durch zahlreiche Volkstanzkurse und Tanzfeste die Freude am Volkstanz in den Trachtenvereinen verstärken. Viele Trachtenvereine veranstalten bereits seit ihrem Bestehen Volkstanzabende, Trachtenbälle, Mai-, Kirta- und Kathreintänze als Ausdruck echter Brauchtumspflege.

Der Trachtengau Niederbayern veranstaltet zweimal im Jahr einen Lehrgang bzw. Volkstanzkurs. Einmal im Frühjahr, für die Vortänzer und eimal im Herbst für Anfänger und Fortgeschrittene. Bei diesen Lehrgängen wird darauf geachtet, dass die Tanzformen, die im Laufe der Jahre immer abwechslungsreicher wurden, auch bodenständig bleiben, da auch Formen aus anderen Regionen übernommen wurden. Da in den verschiedenen Gebieten auch unterschiedlich getanzt wurde, gibt es keine Vereinheitlichung! Formen und Figuren können durchaus abweichen, dadurch lebt der Volkstanz. Rundtänze wie Polka, Schottisch, Walzer oder Dreher werden bei Bedarf vorgezeigt, da diese häufig Bestandteile der Figurentänze sind. Die beiden typischen Tänze unserer Region, sind der Zwiefache und der Figurenlandler, die in unzähligen Weisen und Formen im gesamten Land getanzt werden.

Der Trachtengau Niederbayern verfügt bereits seit 1996 über eine Gautanzgruppe, die den Gau überregional vertritt, z. B. auf der Grünen Woche in Berlin, auf der oiden Wies´n in München und war auch schon in Brasilien zu Gast. Geleitet wird diese Gruppe vom jeweiligen 1. bzw. 2. Gauvortänzer. Die Paare stammen aus den verschiedenen Vereinen des Trachtengau Niederbayerns und spiegeln so mit ihren vielfältigen Trachten, das bunte und abwechslungsreiche Bild, unseres Gaues wieder. Die Gruppe trifft sich zweimal jährlich zum Proben, um ein einheitliches Bild bei den jeweiligen Auftritten bieten zu können.

"Oh Mensch lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel nichts mit Dir anzufangen!"

Sachgebietsleiter Volkstanz

Edgar Holz

   

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